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Urologie

Harnblasentumoren: Diagnose

Definition
Unter einem Blasenkarzinom, präziser einem Harnblasenkarzinom (Harnblasenkrebs), versteht man einen bösartigen Tumor, der aus dem so genannten Urothel in der Harnblase entsteht.
Urothel ist die Bezeichnung für das Epithel, das den gesamten ableitenden Harnweg zwischen Nierenbecken und der äußeren Harnröhrenmündung innen auskleidet.
Vorkommen über 90% in der Blase, selten im Nierenhohlsystem, Harnleiter und in der Urethra.

Epidemiologie

Die Inzidenz beträgt 25/100.000/Jahr und das Verhältnis Männer:Frauen = 3:1 (siehe auch krebszentrum.at/Österreichische Statistik)
Nach dem Prostatakarzinom häufigste Tumoren des Urogenitaltraktes, wobei das Häufigkeitsmaximum zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr liegt.
Typisch ist der Wechsel der Dignität: das Rezidiv eines sog. "benignen" Papilloms kann hohen Malignitätsgrad aufweisen, daher ist auch das benigne Papillom klinisch nicht als gutartig einzustufen und muss entsprechend (lebenslang) kontrolliert werden.

 

Wie entsteht Krebs?

  • Entwicklung bösartiger Zellen
  • unkontrolliertes Wachstum der Tumorzellen
  • Aussaat ("Metastasierung") von Tumorzellen

(Details siehe Kapitel Chemotherapie)

Ursachen
  • Rauchen
  • Belastung mit aromatischen Aminen (Arbeiter in Farb- und Textilindustrie, Friseure)
  • chronische Harnwegsinfekte
  • Bilharziose (= Parasitenerkrankung, die vor allem in den Tropen und Subtropen auftritt)

Merke: Latenzzeit zwischen Karzinogenexposition und Tumordiagnose kann Jahre betragen, daher retrospektive Identifikation partieller Noxen schwierig.

Tumorstadien Blasenkarzinom
T - Primärtumor
(p) TX
Primärtumor kann nicht beurteilt werden
(p) T0
Kein Anhalt für Primärtumor
(p) TA
nichtinvasiver papillärer Tumor
(p) TIS
Carcinoma in situ ("flacher Tumor")
(p) T1
Tumor infiltriert subepitheliales Bindegewebe
(p) T2
.....T2a
.....T2b
Tumor infiltriert Muskulatur
Tumor infiltriert oberflächliche Muskulatur
Tumor infiltriert tiefe Muskulatur
(p) T3
.....T3a
.....T3b....
Tumor infiltriert perivesikales Gewebe
mikroskopisch
makroskopisch
(p) T4
.....T4a
.....T4b
Tumor infiltriert eines der folgenden Organe: Prostata, Uterus, Vagina, Beckenwand, Bauchwand
Tumor infiltriert Prostata oder Uterus oder Vagina
Tumor infiltriert Beckenwand oder Bauchwand
N - Regionäre Lymphknoten
NX
Regionäre Lk können nicht beurteilt werden
N0
Kein Anhalt für regionäre Lk-Filiae
N1
Metastase in solitärem Lk < 2 cm in größter Ausdehnung
N2
Metastase in solitärem Lk > 2 cm, aber < 5 cm in größter Ausdehnung
N3
Metastase in Lk > 5cm in größter Ausdehnung
M -Fernmetastasen
MX
Fernmetastasen können nicht beurteilt werden
M0
Kein Anhalt für Fernmetastasen
M1
Fernmetastasen
Malignitätsgrade
G1
gut differenziert
G2
mäßig differenziert
G3
schlecht differenziert
G4
anaplastisches Karzinom

 

Metastasierung

 

  • regionäre Lymphknotenmetastasen
  • Fernmetastasen (hämatogen und lymphogen) selten, vor allem in Lunge, Leber, Knochen

 

Genetik

 

Derzeit gibt es keine Hinweise, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Tumorformen
  • papilläre Tumoren (80-90%)
  • solide Tumoren (10-20%)
  • in >25% multifokale und in 1-5% panurotheliale Erkrankungen (Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase)

 

Epitheliale Tumoren

 

  • benigne: Papillome (2-3%)
  • maligne: Urothel-Ca (90-95%), Plattenepithelkarzinom (<5%), Adenokarzinom (<2%), Undifferenziertes Ca (<3%)

 

Nicht-epitheliale (mesenchymale) Tumoren

 

Metastasen anderer Organtumoren bzw. sekundäre lokale Infiltration durch Tumoren benachbarter Organe

 

Sonderform

 

das sog. "in situ"-Karzinom = diffus auftretende maligne Zellen ohne eigentliche Tumorbildung

 

Charakteristika

 

Tumor-Agens ist der Harn: Es besteht also eine Disposition und damit eine Rezidivneigung. Wichtig ist daher eine lebenslange Kontrolle!

Symptome
  • Blut im Urin, d.h. der Urin ist rostig bis rot verfärbt (meist schmerzlose Makrohämaturie ist Kardinal- und Frühsymptom, 80%!)
  • Auftreten von Schmerzen während des Urinierens (jede länger dauernde und therapieresistente "chronische Zystitis" ist in höherem Alter immer als tumorverdächtig anzusehen)
  • häufiges Urinieren oder häufiger Harndrang ohne wirklichem Wasserlassen
  • Flankenschmerzen bei tumorbedingter Harnstauungsniere
  • allgemeine Symptome (Inappetenz, Schwäche, Gewichtsverlust, Anämie) Zeichen für fortgeschrittenes Stadium


Merke:
Bei jeder Mikro- oder Makrohämaturie ist eine weiterführende urologische Abklärung notwendig.

Diagnostik

Anamnese (Makrohämaturie)

 

Labor

 

  • pathologischer Harnbefund, evtl. Blutungsanämie
  • Harnzytologie: Suchtest/Therapiekontrolle
  • Stellenwert der Tumormarker siehe krebszentrum.at/Nachsorge

 

Grunduntersuchung

 

  • Infusionsurogramm und Urethrozystokopie
  • Harnzytologie (Suchtest/Kontrolle)
  • endoskopische Biopsie (mit Zange im unteren Harntrakt und Bürste im oberen Harntrakt)
  • Bioptische TUR
  • Sonographie (Nieren, Harnblase, Abdomen, Retroperitoneum)
  • CT (MRT, Blasenstaging, Differentialdiagnose: Uratstein im oberen Harntrakt)

 

Metastasendiagnostik

 

Es gibt derzeit keine diagnostische Methode, mit der man Lymphknotenmetastasen sicher ausschließen kann.

  • Ultraschall
  • CT (pelvine Lymphknotenmetastasen werden erst ab 1-1,5cm Durchmesser erfassbar)
  • MRT
  • Knochenszintigramm
Vorsorge

Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen
(für Österreich gültige allgemeine Empfehlungen des Arbeitskreises und wiss. Komitees der ESO - Wien)

 

Es ist den an der Erarbeitung der nun vorliegenden Empfehlungen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. ihren Arbeitsgruppen besonders zu danken, dass sie eine neuerliche Anstrengung unternommen und an der Erstellung der nunmehrigen Empfehlung mitgearbeitet haben. Im Sinne dieser Vorgangsweise wurde bewusst zwischen Früherkennung und Screening in folgender Weise unterschieden:

 

Als Früherkennung wurde - in direkter Anlehnung an die Empfehlungen der American Cancer Society - die Entdeckung einer Abnormalität in einer asymptomatischen oder symptomatischen Einzelperson aufgefasst, während Screening die systemische Suche nach einer Erkrankung in einer definierten Population bedeutet hätte.

 

Bei der Erstellung der Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen wurden folgende Prämissen besonders beachtet:

 

Es musste als gesichert gelten, dass die Untersuchung medizinisch effektiv in Hinblick auf eine Früherkennung der Krebserkrankung ist, um die Morbidität und/oder Mortalität positiv zu beeinflussen,

die durch die Untersuchungen erzielten Vorteile sollten gegenüber den Risken überwiegen und

die Untersuchungen selbst praktikabel und durchführbar sein.

 

Somit liegt nun eine für Österreich gültige allgemeine Empfehlung für die Mindesterfordernisse einer Früherkennung maligner Erkrankungen bei Einzelpersonen vor, von der wir wiederum hoffen, dass sie auf ähnliche Akzeptanz wie die vorhergehenden Publikationen dieser Arbeitsgemeinschaft stoßen und unser aller Arbeit im Sinne einer Standardisierung der Vorgangsweise für die sich uns anvertrauenden Menschen erleichtern wird.

 

(Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ. Prof. Dr. Michael Krainer, Univ. Ass. Dr. Thomas Brodowicz,
Koordinatoren des Arbeitskreises und des wiss. Komitees der ESO - Wien)

 

(Übersicht der Krebsarten, Genetische Testung, Tumormarker, wiss. Gesellschaften: siehe krebszentrum.at/Vorsorge)

Vorsorge Blasenkarzinom
Normalpopulation
Maßnahme
Intervall
Zeitpunkt
  Harnsediment
Bei Mikrohämaturie: Zystoskopie
Jährlich
Ab dem 30. Lebensjahr

 

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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 16:35